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Ellerbrock hat die Zukunft im Visier

Die Zeichen stehen bei der Ellerbrock Runderneuerungs-Technologie GmbH auf Umbruch und Aufbruch. Bis zum 30. Juni 2005 wird „elder statesman“ Klaus Zimmermann den Vorsitz in der Geschäftsführung des Unternehmens in der Hand halten. Ab sofort rückt die jüngere Management-Ebene in den Vordergrund. Dirk Rohmann (Marketing und Vertrieb), Diplom-Ingenieur Matthias Leppert (Technik/Produktion) und Wolfgang Schlingmann (Finanzen) verantworten die ihnen übertragenen Geschäftsbereiche eigenverantwortlich.

 
 


Ende des Jahres soll die Produktion bei Ellerbrock in Henstedt-Ulzburg wieder anlaufen.
Die Realisierung des Aufbaus ist der zeitlichen Planung sogar voraus, das stimmt optimistisch.
 


Alles was rot lackiert oder angestrichen wurde, ist erneuert worden, die Farben signalisieren die Aufbruchstimmung, in der wir uns befinden, erklärt Ellerbrock-Geschäftsführer Dirk Rohmann. Matthias Leppert, im gleichen Rang, betont: „Wir warten alle darauf, dass es wieder richtig los geht.“ Diese Einstellung teilen die Mitarbeiter, die zum Teil in der Zwischenzeit in den Produktionsstätten des Mutterkonzerns Marangoni gearbeitet haben, um den Kunden zumindest Teillieferungen anbieten zu können. Die Pendelei nach Italien ist vorbei, das normale Leben wird wieder einkehren. Einige der gewerblichen Mitarbeiter wollen die Erfahrungen bei Marangoni nicht missen, sie erweiterten die Horizonte, gleichwohl sie unter schlimmen Voraussetzungen zustande gekommen sind.
Im Zweiwochenrhythmus fuhren jeweils 20 Mitarbeiter nach Italien und arbeiteten dort. Insgesamt setzte Ellerbrock 35 Leute in Rovereto bei Marangoni ein.
Die Aufnahme der gesamten Produktion soll Ende Oktober/November beginnen, wenn nichts dazwischen kommt. „Der Aufbau des Werkes verläuft planmäßig“, erklärten die beiden Geschäftsführer unisono. In der Zwischenzeit hat das Unternehmen mit einer kleinen Fertigungsstraße in Henstedt-Ulzburg die Produktion aufgenommen. Bisher war das aber immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

 




 

[Modernstes Werk]
Ein Blick in die Hallen beweist: Hier muss noch viel getan werden, bis die Produktion wieder unter voller Auslastung läuft. Noch bauen die Maschinenhersteller die Anlagen auf, neue Programme sind geschrieben, müssen aber ebenso implementiert werden wie die Hardware selbst: Über eins sind sich bei Ellerbrock alle einig: Wir erhalten eines der modernsten Werke für die Herstellung von Runderneuerungsmaterial.


 

Unterstützung nach dem schlimmen Brand erhielt Ellerbrock zum größten Teil durch den Konzern, aber auch der Wettbewerb sprach dem Runderneuerer Mut zu. Die Kunden, die Ihren Bedarf decken mussten, wandten sich andren Adressen zu. „Es besteht dadurch die Gefahr, dass ein Kunde sich von seinem Stammlieferanten abwendet, vor allem, wenn die Preise niedriger sind.“ Marangoni musste wegen der gestiegenen Rohmaterialpreise den Kunden Preiserhöhungen bekannt geben. Eine zweite, notwendige lässt sich nicht realisieren. „Wir können nicht die Preise weiter erhöhen, wenn wir nicht einmal liefern können, wenn wir den Mangel nur verwalten“, skizziert Klaus Zimmermann, Vorsitzender der Geschäftsführung. Zimmermann weiter: „Die Preise für den Rohstoff befinden sich auf höchstem Niveau, auch sorgen die Chinesen über die Nachfrage für das Drehen der Preisspirale.“ In den letzten drei Jahren wurde aus ehemaligen DM-Werten Euro-Preise. Die Anbieter haben die Preise mittlerweile 1:1 übernommen. Der Euro ist doch ein Teuro, egal aus welchen Gründen. „Die Preise haben sich verdoppelt“, macht Rohmann in seiner Betrachtung klar. Klaus Zimmermann sieht hinter den Preissteigerungen wie im Erdöl/Benzinbereich Methode: „Das Angebot wird künstlich verknappt. Dieses Szenario kenn wir ja bereits aus dem Jahre 1978.“
Wenden wir uns wieder etwas Erfreulichem zu: Die Abwicklung mit den Versicherungen wegen der Leistungsforderungen läuft problemlos. Es dauert nur seine Zeit, ehe sämtliche Fakten für die Versicherung geklärt sind. Der Versicherungsfall sei mittlerweile abgeschlossen. Bewertungsprobleme hätten zuletzt Zeit gekostet: Beim Anlagevermögen stritten sich die Geister um Marktwert oder Zeitwert. Die Differenz macht enorme Beträge aus.
Dirk Rohmann blick vorwärts: „Wir haben gottlob keine Kunden endgültig verloren.“ Den Mengenverlust beziffert Rohmann mit 20 Prozent. Es hätte schlimmer kommen können. Matthias Leppert erklärt: „Die Kunden haben gut zu uns gehalten. Das ist nicht selbstverständlich. Sie haben gezeigt, dass sie zu uns stehen. Das ist eine Würdigung unserer bisherigen Arbeit, unsere Partner müssen mit uns zufrieden gewesen sein, um uns so entgegenzukommen.“
Den Gesamtschaden beim Brand beziffert Ellerbrock auf rund 18 Millionen Euro. Darin sind die Schäden an Gebäuden, Maschinen, Rohstoffen und die Betriebsunterbrechung eingerechnet, Der Aufbau der Halle ist bereits abgeschlossen. Im Inneren bauen Maschinenbau und deren Mitarbeiter neue Anlagen auf. Die Installation und die Software wird installiert. Das kostet Zeit: „Lieber hier einen Tag verlieren, um dann optimal beginnen zu können, das nehmen wir in Kauf“, erklärt Leppert. Die grundsätzlichen Arbeitsabläufe werden die gleichen bleiben, in der Fertigung hat sich nichts geändert.
Durch den Neubau kann Ellerbrock zum modernsten und effizientesten Werk werden, im Konzern und im Vergleich mit dem Wettbewerb. Mehr als 15.000 Tonnen Rohmaterial, die Ellerbrock vor dem Brand bearbeitet hat, wird das Werk auch nach der Aufnahme der Produktion nicht überschreiten. „Der Durchsatz wird vermutlich gleich bleiben“, erläutert Matthias Leppert.
Trotz aller positiven Meldungen schwelt über den Köpfen der Mitarbeiter die Frage, ob das Unternehmen nach dem kompletten Wiederaufbau mit den modernsten Maschinen der gleiche Personalbestand wie vor dem Brand benötigten wird. „Das wird sich erst im Lauf des nächsten Jahres Schritt für Schritt zeigen“, sagt Matthias Leppert. Die Ringtread-Produktion, ein besonderes Marangoni-Verfahren, dem sogar der Wettbewerb höchstes Lob auf der Nutzfahrzeug IAA in Hannover aussprach und die zwei Pressen für die Kaltstreifenproduktion werden mit Sicherheit effizienter arbeiten als bisher. Das könnte zu verringertem Personaleinsatz führen.
Matthias Leppert lässt die Frage bis in das nächste Jahr hinein erst einmal offen: „So schlimm der Brand für die Mitarbeiter und das Unternehmen auch war, so öffnet er uns den Weg in die Zukunft“, kommentiert der neue Geschäftsführer die Sachlage. „Wir bekommen an gleicher Stelle in Henstedt-Ulzburg das modernste Werk Europas für Runderneuerungsmaterial“, freut sich Leppert über die neue Fabrik, ohne den Blick für die Sorgen der Mitarbeiter nicht zu verschließen. Das Ellerbrock-Werk arbeitete am Standort in der Nähe von Hamburg erst seit rund zehn Jahren. Deshalb verfügte es über einen modernen Maschinenpark, der zwar erneuert wird, aber keine neuen Technologien implementiert.
Schnell entschlossen reagierte die Marangoni-Muttergesellschaft mit dem Entschluss, das Werk wieder neu aufzubauen. Marangoni ließ nicht eine Minute Zweifel aufkommen, das Werk wieder in Deutschland aufzubauen, obwohl Leichtlohnländer die Lohnkosten beträchtlich reduziert hätten.
In absehbarer Zeit wird sich Ellerbrock auch wieder mehr der Pflege des Ringtread-Systems widmen können. Ellerbrock will Ringtread zur eigenen Marke aufbauen. „Ringtread besitzt zwei Handicaps“, erklärt Dirk Rohmann. „Das System erfordert vom Runderneuerer die Investition, die sich nahe an einer sechsstelligen Zahl orientiert und es wird nur von einem Anbieter betrieben.“ Da kommt der Zuspruch vom Wettbewerb gerade recht. Erste Anwender des Systems, die damit arbeiten, sind voll des Lobes: „Die runderneuerten Reifen sehen wie absolut neue Reifen aus.“ Matthias Leppert schwört auf die „Fünf-Sterne-Runderneuerung“. Der studierte Ingenieur beschreibt das Verfahren: „Ein vulkanisierter Laufstreifen wird in Ringpressen für die perfekte Geometrie und Struktur wie ein Neureifen hergestellt. Das Ergebnis: Rund und ausgewogen.“
Leppert fährt fort: „Die einzigartige Runderneuerungstechnologie mit elektronischen und automatischen Maschinen garantiert eine technische Verbindung zwischen Laufstreifenring und Karkasse. Das Resultat: Produktsicherheit und Wirtschaftlichkeit.“ Dirk Rohmann fügt hinzu: „Mit dem Ringtread-System erfüllt der Anbieter den Anspruch der Anwender nach Spitzenleistung für mehr Kilometer, Sicherheit und Komfort. Qualität und Kostensenkung steht im Vordergrund.“
Die Argumentation für das Ringtread-System überzeugt den Runderneuerer vor Ort: „Mit Ringtread bieten Sie Ihren Kunden höhere Qualität zu einem niedrigeren Preis an.“ Fabrikplaner und Runderneuerer benötigen weniger Platz – bei gleichzeitig höherer Leistung. Was den Runderneuerer letztlich überzeugt, das sind die über die längere Zeitachse kalkulierten geringeren Preise. [mu]

Quelle: AutoRäderReifen – Gummibereifung 10/2004

 

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