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Neue Anlagen ab August einsatzbereit

Ellerbrock investiert 20 Millionen Euro

Sieben Monate, nachdem ein Feuer die komplette Produktionsanlage bei Ellerbrock vernichtet hat, sind auf dem Firmengelände in Henstedt-Ulzburg kaum mehr Hinweise auf die Katastrophe zu finden. Ein Großteil der Halle ist bereits wieder aufgebaut, und in zwei Monaten, so die Einschätzung der Unternehmensleitung, kann die Produktion von Runderneuerungsmaterialien bei Ellerbrock in Deutschland – in Teilen – wieder beginnen. Mit dem Wiederaufbau, für den man sich gemeinsam mit der italienischen Muttergesellschaft Marangoni bereits kurz nach dem Feuer entschlossen hat, liegt Ellerbrock sogar vor dem eigentlichen Zeitplan. Insgesamt sollen knapp 20 Millionen Euro in die neue Anlage fließen.

 
 

Innerhalb weniger Stunden hat das Großfeuer am Morgen des 7. November 2003 die komplette Produktion von Flachstreifen und Ringtreads vernichtet, und das obwohl die Einsatzkräfte der Feuerwehren bereits wenige Minuten nach dem ersten Alarm am Einsatzort erschienen waren. Bei dem Feuer, für das die Versicherungen im Nachhinein einen „technischen Defekt“ verantwortlich machen, ist ein Schaden entstanden, der sogar noch über den ursprünglichen Vermutungen liegt. Am Gebäude, an Maschinen und Rohstoffen sowie durch den Betriebsausfall sei ein Gesamtschaden von über 18 Millionen Euro entstanden, erklärt Geschäftsführer Klaus Zimmermann im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Erst kürzlich sei der Fall mit den Versicherungen im Wesentlichen abgeschlossen worden. Dabei sei es zum Schluss hauptsächlich um die Bewertung des Anlagevermögens gegangen: Marktwert oder Zeitwert.

 
Ellerbrock-Geschäftsführer Klaus Zimmermann hofft auf eine baldige Wiederaufnahme der Produktion in Henstedt-Ulzburg.

 

Die obligatorischen laufenden Ermittlungen in einem solchen Brandfall durch Polizei und Versicherungen fanden parallel zum Beginn des Wiederaufbaus der 6.500 Quadratmeter großen Produktionshalle statt, so Zimmermann. Bereits jetzt ist die Halle größtenteils wieder geschlossen und der Fußboden erneuert. Ab Ende Juni soll dann die Installation der Maschinen beginnen, so dass bereits im August an eine Wiederaufnahme der Produktion zu denken ist. Allerdings wolle Marketingleiter Dirk Rohmann „keine großen Erwartungshaltungen“ wecken, nennt folglich alle Termine nur unter Vorbehalt. Derzeit sei Ellerbrock mit seinem Wiederaufbau dem ursprünglichen Zeitplan voraus, was auch am guten Wetter während der Wintermonate gelegen habe. Ohne große Frostperioden konnten die Aufräumarbeiten in Henstedt-Ulzburg bereits zur Jahreswende abgeschlossen werden. Die neue Produktionshalle hat den selben Grundriss wie die abgebrannte, Ellerbrock wird sich also in dieser Beziehung nicht erweitern.

 

 
Hinter der Entscheidung "Wiederaufbau" steht nicht nur das gesamte Unternehmen Ellerbrock sonder auch die italiensiche Mutter Marangoni




Von der Zehn-Meter-Presse für die Herstellung von Flachstreifen blieb nach dem Feuer nur der metallende Rahmen
 

 

Selbstverständlich werden die Anlagen, mit denen das Unternehmen abgelängte Flachstreifen und Ringtreads (spezielles Marangoni-Verfahren) herstellt, nach dem Brand erneuert, da von den alten Maschinen keine mehr zu gebrauchen war. Folglich investiere die Ellerbrock Reifenrunderneuerungs-Technologie GmbH in die „Optimierung der einzelnen Schritte“ der Herstellung, wobei die grundsätzlichen Arbeitsabläufe gleich bleiben sollen. Mit den neuen Maschinen, die aus dem Ellerbrock-Werk das modernste seiner Art machen soll, werde man etwa den Formenwechsel an den Pressen oder die so genannte Entformung (Entnahme der Laufstreifen aus der Form) schneller vornehmen können. Es ergeben sich also Effizienzsteigerungen. Dennoch schätzt man bei Ellerbrock nicht, dass nach der kompletten Wiederinbetriebnahme der Produktion mehr als 15.000 Tonnen Rohmaterialien wie vor dem Brand verarbeitet werden; man werde den Durchsatz vermutlich gleich halten.

Ob nach der Wiederaufnahme der Herstellung mit den modernen sechs Pressen für die Ringtread-Produktion sowie den zwei Pressen für die Kaltstreifenproduktion noch dieselbe Anzahl Personal benötigt wird, könne derzeit noch niemand sagen. Rohmann: „Dazu fehlt uns eben die Erfahrung.“ Man wisse in Henstedt-Ulzburg eben noch nicht, ob an einer effizienter arbeitenden „Ringinsel“ das selbe Personal notwendig ist wie vorher. Dies sei ein Lernprozess, der sich wohl im Laufe des nächsten Jahres „Schritt für Schritt“ einstellen müsse. Gerade mit Blick auf sicherlich auftretende Startschwierigkeiten und Kinderkrankheiten der neuen Anlagen empfehle es sich, keine voreiligen Entscheidungen bezüglich des Personals zu fällen. Wiederholt erklärtes Ziel Ellerbrocks ist es jedenfalls, niemand aufgrund des Feuers und des folgenden Wiederaufbaus entlassen zu müssen.

In der jetzigen Zeit des Übergangs ist allerdings rund die Hälfte der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Gleichzeitig habe man aber versucht, den Produktionsausfall in Henstedt-Ulzburg durch die Herstellung der Runderneuerungsmaterialien bei der italienischen Muttergesellschaft Marangoni zu kompensieren. Dort im Werk in Rovereto werden seit Mitte November vergangenen Jahres regelmäßig 15 bis 20 Mitarbeiter aus Henstedt-Ulzburg eingesetzt, die im Wechsel jeweils drei Wochen in Italien bleiben. Dies habe sich als äußerst sinnvolle Übergangslösung erwiesen, so Klaus Zimmermann, dessen Unternehmen ansonsten schon bald nach dem Feuer keinerlei eigene Ware mehr hätte liefern können. Durchaus nachvollziehbar und allseits erwartet: „In einer gewissen Bandbreite haben wir Umsätze verloren“, fügt Marketingleiter Dirk Rohmann hinzu, ohne genaue Zahlen nennen zu wollen; 2002, also im letzten „normalen“ Jahr vor der Brandkatastrophe, hatte Ellerbrock einen Umsatz von rund 33 Millionen Euro erzielt. Geschäftsführer Zimmermann wird konkreter. Ihm zufolge sei lediglich die Hälfte dessen, was in Henstedt-Ulzburg hätte hergestellt werden können, im Rahmen der Notlösung bei Marangoni als Ellerbrock-Ware hergestellt worden. Da die Mischerei in Deutschland bei dem Feuer nicht zerstört wurde, kommen die Gummimischungen nach wie vor aus Henstedt-Ulzburg. Ein weiteren Teil des Ausfalls konnte das Unternehmen durch so genannte „interne Alternativen“ kompensiert: Den Kunden wurde ähnliche Produkte aus dem Hause Marangoni angeboten. Natürlich werde man im laufenden Geschäftsjahr die 100 Prozent des Vorvorjahresumsatzes nicht erreichen können. Ellerbrock sei aber bereits wieder auf gutem Wege dahin, schweigt man sich in Henstedt-Ulzburg über die genauen Umsatzzahlen aus. Die „internen Alternativen“ seien allerdings ertragsmäßig durchaus schlechter als die eigenen Produkte, denn Ellerbrock fungiert diesbezüglich als Händler und kauft die Ware von der Muttergesellschaft. Dennoch könne und müsse Ellerbrock froh darüber sein, dass die Marangoni-Gruppe in dieser schwierigen Phase durch freie Kapazitäten in Italien einspringen konnte und letztendlich auch eingesprungen ist. Hinzu komme noch „das kolossal-loyale Verhalten der Kundschaft“, lobt Geschäftsführer Zimmermann.

Bei Ellerbrock rechnet man damit, dass alle Pressen und Anlagen in der neuen Produktionshalle ab dem kommenden Frühjahr wieder einsatzfähig sind. Ein früherer Termin wäre allzu optimistisch, glaubt auch Klaus Zimmermann. Schließlich könne man das Geld von der Versicherung gar nicht so schnell ausgeben, wie man es gerne möchte, da ein Großteil der Anlagen eigens für Ellerbrock angefertigt werden muss, und das braucht eben Zeit. Auch fehlen dem Unternehmen derzeit immer noch einige der notwendigen Formen für die Herstellung der Laufstreifen. Bei dem Feuer sind zahlreiche der rund 18.000 verschiedenen Formteile zerstört worden, die jetzt ersetzt werden müssen.

Quelle: NEUE Reifenzeitung 06/2004

 

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