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Selbstverständlich werden die Anlagen, mit denen das Unternehmen abgelängte Flachstreifen und Ringtreads (spezielles Marangoni-Verfahren) herstellt, nach dem Brand erneuert, da von den alten Maschinen keine mehr zu gebrauchen war. Folglich investiere die Ellerbrock Reifenrunderneuerungs-Technologie GmbH in die Optimierung der einzelnen Schritte der Herstellung, wobei die grundsätzlichen Arbeitsabläufe gleich bleiben sollen. Mit den neuen Maschinen, die aus dem Ellerbrock-Werk das modernste seiner Art machen soll, werde man etwa den Formenwechsel an den Pressen oder die so genannte Entformung (Entnahme der Laufstreifen aus der Form) schneller vornehmen können. Es ergeben sich also Effizienzsteigerungen. Dennoch schätzt man bei Ellerbrock nicht, dass nach der kompletten Wiederinbetriebnahme der Produktion mehr als 15.000 Tonnen Rohmaterialien wie vor dem Brand verarbeitet werden; man werde den Durchsatz vermutlich gleich halten.
Ob nach der Wiederaufnahme der Herstellung mit den modernen sechs Pressen für die Ringtread-Produktion sowie den zwei Pressen für die Kaltstreifenproduktion noch dieselbe Anzahl Personal benötigt wird, könne derzeit noch niemand sagen. Rohmann: Dazu fehlt uns eben die Erfahrung. Man wisse in Henstedt-Ulzburg eben noch nicht, ob an einer effizienter arbeitenden Ringinsel das selbe Personal notwendig ist wie vorher. Dies sei ein Lernprozess, der sich wohl im Laufe des nächsten Jahres Schritt für Schritt einstellen müsse. Gerade mit Blick auf sicherlich auftretende Startschwierigkeiten und Kinderkrankheiten der neuen Anlagen empfehle es sich, keine voreiligen Entscheidungen bezüglich des Personals zu fällen. Wiederholt erklärtes Ziel Ellerbrocks ist es jedenfalls, niemand aufgrund des Feuers und des folgenden Wiederaufbaus entlassen zu müssen.
In der jetzigen Zeit des Übergangs ist allerdings rund die Hälfte der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Gleichzeitig habe man aber versucht, den Produktionsausfall in Henstedt-Ulzburg durch die Herstellung der Runderneuerungsmaterialien bei der italienischen Muttergesellschaft Marangoni zu kompensieren. Dort im Werk in Rovereto werden seit Mitte November vergangenen Jahres regelmäßig 15 bis 20 Mitarbeiter aus Henstedt-Ulzburg eingesetzt, die im Wechsel jeweils drei Wochen in Italien bleiben. Dies habe sich als äußerst sinnvolle Übergangslösung erwiesen, so Klaus Zimmermann, dessen Unternehmen ansonsten schon bald nach dem Feuer keinerlei eigene Ware mehr hätte liefern können. Durchaus nachvollziehbar und allseits erwartet: In einer gewissen Bandbreite haben wir Umsätze verloren, fügt Marketingleiter Dirk Rohmann hinzu, ohne genaue Zahlen nennen zu wollen; 2002, also im letzten normalen Jahr vor der Brandkatastrophe, hatte Ellerbrock einen Umsatz von rund 33 Millionen Euro erzielt. Geschäftsführer Zimmermann wird konkreter. Ihm zufolge sei lediglich die Hälfte dessen, was in Henstedt-Ulzburg hätte hergestellt werden können, im Rahmen der Notlösung bei Marangoni als Ellerbrock-Ware hergestellt worden. Da die Mischerei in Deutschland bei dem Feuer nicht zerstört wurde, kommen die Gummimischungen nach wie vor aus Henstedt-Ulzburg. Ein weiteren Teil des Ausfalls konnte das Unternehmen durch so genannte interne Alternativen kompensiert: Den Kunden wurde ähnliche Produkte aus dem Hause Marangoni angeboten. Natürlich werde man im laufenden Geschäftsjahr die 100 Prozent des Vorvorjahresumsatzes nicht erreichen können. Ellerbrock sei aber bereits wieder auf gutem Wege dahin, schweigt man sich in Henstedt-Ulzburg über die genauen Umsatzzahlen aus. Die internen Alternativen seien allerdings ertragsmäßig durchaus schlechter als die eigenen Produkte, denn Ellerbrock fungiert diesbezüglich als Händler und kauft die Ware von der Muttergesellschaft. Dennoch könne und müsse Ellerbrock froh darüber sein, dass die Marangoni-Gruppe in dieser schwierigen Phase durch freie Kapazitäten in Italien einspringen konnte und letztendlich auch eingesprungen ist. Hinzu komme noch das kolossal-loyale Verhalten der Kundschaft, lobt Geschäftsführer Zimmermann.
Bei Ellerbrock rechnet man damit, dass alle Pressen und Anlagen in der neuen Produktionshalle ab dem kommenden Frühjahr wieder einsatzfähig sind. Ein früherer Termin wäre allzu optimistisch, glaubt auch Klaus Zimmermann. Schließlich könne man das Geld von der Versicherung gar nicht so schnell ausgeben, wie man es gerne möchte, da ein Großteil der Anlagen eigens für Ellerbrock angefertigt werden muss, und das braucht eben Zeit. Auch fehlen dem Unternehmen derzeit immer noch einige der notwendigen Formen für die Herstellung der Laufstreifen. Bei dem Feuer sind zahlreiche der rund 18.000 verschiedenen Formteile zerstört worden, die jetzt ersetzt werden müssen.
Quelle: NEUE Reifenzeitung 06/2004 |
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