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Ellerbrock: Ringtread-Vermarktung erfolgreich angelaufen

Direkter Kontakt zwischen Runderneuerer und Endverbraucher zahlt sich aus


Bis vor kurzem gab es in ganz Europa nur eine einzige Produktionsstätte, in der Laufstreifenringe nach dem Ringtread-Prinzip hergestellt wurden: Bei der Firma Marangoni im italienischen Frosigone, die dieses patentierte Produkt für die LKW-Reifenrunderneuerung, über das wir in der Vergangenheit bereits vielfach berichtet haben (vgl. zuletzt NEUE REIFENZEITUNG 4/2001), schon vor Jahren entwickelt hat. Mittlerweile hat die Ellerbrock Reifenrunderneuerungs-Technologie GmbH in ihrem im Norden Hamburgs gelegenen eigenen Werk einen Millionenbetrag investiert, um selber derartige Ringe herstellen zu können. Zusätzlich wurde auch die Vermarktung des Ringes für den deutschsprachigen Raum sowie für Dänemark von Mehrheitsgesellschafter Marangoni exklusiv übernommen.



 


 
Clemens Zimmermann: "Das Interesse an Ringtread ist mittlerweile deutlich angestiegen."


Mit Erfolg, wie Clemens Zimmermann, Leiter Organisation und Systeme bei Ellerbrock, mit sichtlicher Zufriedenheit betont: "Die Produktion ist gut angelaufen, das Interesse an Ringtread mittlerweile deutlich angestiegen. Und das entgegen dem im Markt derzeit gerade vorherrschenden Trend." Mit den Firmen Müller & Sandner (Ebersbrunn), Reifen Mülot (Lübz) und WHH Walther & Heick (Hamburg) konnte das Unternehmen von Anfang an drei renommierte Adressen der Runderneuerung in Deutschland als Ringtread-Kunden gewinnen. Daneben gab es einige weitere kleinere Marktteilnehmer, die bereits seit Jahren nach dem Ring-Prinzip produzieren und noch unter der Vermarktungs-Ägide der Italiener gewonnen worden waren. Das soll jedoch erst der Anfang sein: Noch in diesem Jahr will Ellerbrock (Umsatz 2000: > 60 Millionen DM, 125 Mitarbeiter) mit Ringtread eine flächendeckende Vertretung innerhalb Deutschlands erreichen. Mit den seit Frühjahr diesen Jahres in Deutschland neu geworbenen Kunden Reifen Lorenz (Meineweh) sowie Reifen Bingel (Miehlen bei Frankfurt) ist man der ergeizigen Zielsetzung ein Stück näher gekommen.

 


 

Eine weitere unterschriebene Auftragsbestätigung liegt vor. Und die stammt obendrein von einem der "ganz Großen" in der bundesdeutschen Runderneuerungslandschaft: Reifen Ihle. Das in Günzburg angesiedelte Unternehmen hat eine Belegemaschine vom Typ Ringtreader 2000, die bis zu 120 automatische Belegungen pro Arbeitsschicht - inklusive Auftragen der Bindeplatte - erlaubt, bestellt, die nach dem Ende der Sommerferien installiert werden soll. Eine weitere 2000er Maschine (Investitionsvolumen: 105.000 Euro) geht an Reifen Lorenz. Speziell für kleinere Runderneuerer wurde dagegen die Maschine "Ringtreader 1000" (Preis: 60.000 Euro) entwickelt. "Der typische Runderneuerer wird weiterhin mit Streifen arbeiten, wahrscheinlich dort sogar sein Hauptbetätigungsfeld sehen, aber 'etwas Ring' gerne dazu nehmen", kommentiert Zimmermann die Produktphilosophie und widerspricht damit der nahe liegenden Annahme, Ringtread eigne sich lediglich für die Großserienfertigung. Viel wichtiger als das Kriterium der Größe eines Betriebes sei bei der Beurteilung, ob eine Produktion nach dem Ringtread-Verfahren Sinn mache, seine Abnehmerstruktur.

Dazu Zimmermann: "Je höher der Endverbraucheranteil innerhalb der Kundenstruktur, desto besser können die Vorteile voll zum Einsatz gebracht werden."

Die deutschsprachigen Anrainer wurden vor einigen Monaten ebenfalls aktiv in den Vertrieb aufgenommen. In Österreich habe man bereits einige interessante Gespräche geführt. Auch in Dänemark soll sich nach Aussage Zimmermanns in der nächsten Zeit "noch einiges tun". Genaueres war den Verantwortlichen hierzu allerdingsnoch nicht zu entlocken. Getreu dem hanseatisch-kaufmännischen "Understatement", spricht man auch bei Ellerbrock über geschäftliche Transaktionen erst, wenn die Sache "in trockenen Tüchern" ist. Interessierte Runderneuerer hätten - dies wird betont - jedoch große Chancen, sich mittels Ringtread-Fertigung von den übrigen kalterneuernden Kollegen in der Region abzuheben.

 


 

Neue Kundengruppen erschließen

Des Weiteren sollen "Kannibabalisierungseffekte" ausgeschlossen werden, d.h. der Ring wird als zusätzliches Produkt neben den bereits bestehenden Produktlinien angeboten. Eine Verschiebung von konventionellen Laufstreifen - Kontur- und PRL-Streifen, die das Kerngeschäft bei Ellerbrock darstellen - zum Ring wird nicht angestrebt. "Beim Ring handelt es sich nicht nur um einfaches Runderneuerungsmaterial, sondern um ein einzigartiges Produkt im Markt", erläutert Ellerbrock-Geschäftsführer Klaus Zimmermann. Die Vermarktung erfolgt zweigleisig: Einerseits gehen wir mit dem Ringtread- Anwender zu seinem Kunden, um ihn von den Vorzügen dieser Technologie zu überzeugen". Andererseits geht es darum, auf Seiten der Endverbraucher neue Kundengruppen für das Produkt zu begeistern, die bislang ausschließlich auf Neureifen setzen. Dabei soll sich die unter dem Slogan "Next To The New" erfolgende Positionierung des Ringes als ausschlaggebendes Argument erweisen.




Klaus Zimmermann: "Kannibabalisierungseffekte sollen ausgeschlossen werden."
 


 

"Viele Endverbraucher scheuen runderneuerte Reifen wie der Teufel das Weihwasser. Sie tendieren immer zum Neureifen, weil für sie der Preisvorteil, den runderneuerte Reifen bedeuten, durch Ausfallzeiten infolge erhöhter Pannenanfälligkeit komplett wegfällt oder sich u. U. sogar ins Gegenteil verkehrt", weiß Clemens Zimmermann. "Diese Kunden wollen wir mit Ringtread auf den Geschmack eines runderneuerten Reifens bringen." In erster Linie gehe es den Flottenbesitzern darum, dass das von ihnen eingekaufte Produkt funktioniere. Mit dieser Strategie sei man bislang erfolgreich gewesen. Zimmermann junior: "Aus jedem Besuch, den wir bei potenziellen Endverbrauchern durchgeführt haben, ist bislang mindestens eine Testbestellung resultiert." Man habe generell festgestellt, dass sich der Ring besonders dann gut verkaufen lasse, sobald der Runderneuerer einen direkten Kontakt zum Endverbraucher hat. "Der Zwischenhandel interessiert sich am Ende doch nur für seine eigene Marge. Wer den Endverbraucher direkt bedienen kann, ist am Ende der König", so der Organisationsleiter.

 


 


Was spricht für Laufstreifenringe?

Aus Sicht von Zimmermann treffen die Argumente, die für Ringtread-Erneuerungen sprechen, an zwei entschiedenen Stellen: "Zum einen lassen sich die Vorteile im Bereich der Produktion dem Runderneuerer plausibel, verständlich machen. Zum anderen versteht auch der Endverbraucher die Vorteile des nahtlosen Laufflächenrings, der sich bereits auf den ersten Blick so offensichtlich von allen anderen im Markt verfügbaren herkömmlichen Laufstreifen abhebt."

 


 

Diese optische Differenz bringt es mit sich, dass der Ring einfach besser aussieht, denn er kann systembedingt nur konform aufgetragen werden, so dass das Profil mit einem Neureifen absolut identisch ist. Für eine Kundenklientel wie Busunternehmer ist dies ein nicht zu unterschätzendes Kriterium. Das von dem Runderneuerer hergestellte Endprodukt hat weniger potenzielle Fehlerquellen als beim herkömmlichen Verfahren: Die Haftung zwischen Karkasse und Ring-Laufstreifen ist in Quer- und Längsrichtung optimal, weil Rauhkontur und Ring-Wölbung exakt zueinander passen. Die lasergesteuerte Aufbringung des Ringes soll im späteren Betrieb besten Rundlauf garantieren.

Neben der Zeitersparnis in der Produktion wird deutlich weniger Material verbraucht, weil keine Reststücke anfallen. Die geringe Dicke des Ringes im Schulterbereich, das Vermeiden der Stauchung am Stoß sowie auch die geringere Untergummistärke (durch die gleichmäßige radiale Pressung des Ringes möglich) schalgen als Gewichtseinsparungen zu Buche. Nachdem der Ring vorvulkanisiert wurde und sein Profil erhalten hat, wird er - schneckenförmig aufgewickelt - zum Runderneuerer transportiert. Der hohe Automatisierungsgrad ermöglicht es zudem, dass der Bediener des Ringtreaders 1000/2000 zwischendurch noch andere Arbeiten verrichten kann. Nicht zuletzt beanspruchen beide Maschinentypen relativ wenig Raum. Der Runderneuerungsbetrieb kann effizienter und flexibler arbeiten.

Bei seiner Argumentation unterstreicht das Unternehmen auch gerne seine Zusammenarbeit mit Neureifenherstellern (z.B. Goodyear und Pirelli). Des Weiteren wird mit einer großen Bandbreite an modernen Neureifenprofilen geworben, wobei der Schwerpunkt auf Profilen für den Fern-, Regional-, Stadt- und Busverkehr liegt. Was das Produkt darüber hinaus vom Wettbewerb abheben soll, das soll in den so genannten "Value Addits" zum Tragen kommen. Clemens Zimmermann nennt es schlicht und ergreifend "die sieben magischen Buchstaben - Service". Darunter fallen z.B. bundesweit garantiert 24-Stunden-Lieferservice, eine umfassende technische Betreuung, die kontinuierliche Begleitung bei der Produktionsoptimierung sowie auch die Unterstützung bei Zertifizierungsfragen in Sachen ECE 109 bzw. ISO 9000.


Quelle und Fotos: NEUE ReifenZeitung 8/2001

 

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Runderneuerung besitzt Zukunft ...